Friday, December 7, 2007

Mein Freund, die Ameise und ihr fiktives Ich























Hallo, mein Name ist Dicrocoelium dendriticum. Du darfst mich auch "Kleiner Leberegel" nennen. Ich lebe als Parasit in Weidetieren. Meine Eier, mit dem Kot der Tiere ausgeschieden, werden von Schnecken verspeist. In der Schnecke schlüpft die Larve. Sie wird, in einem Schleimballen verpackt, von der Schnecke ausgeschieden und von Ameisen gefressen. Jeweils eine der Larven wandert als Hirnwurm ins Gehirn der Ameisen. Die dadurch in ihrem Verhalten manipulierten Ameisen krabbeln auf die Spitzen von Gräsern, beißen sich dort mit ihren Mandibeln fest und übernachten - für Ameisen untypisch - in dieser Stellung im Freien statt in ihrem unterirdischen Bau. Dies führt dazu, dass die kleinen Ameisen früher oder später in der abendlichen oder morgendlichen Kühle, wenn sie noch unbeweglich sind, vom weidenden Vieh gefressen werden, womit sich der Kreislauf schließt und ich in dem Weidetier wieder in die Leber wandere. Doch wie schaffe ich es, die Ameisen so zu manipulieren, dass sie sich "freiwillig" zu Fressopfern für das Weidevieh machen? Ich niste mich im "Hirn" der Ameise ein, genauer in ihrem Unterschlundganglion, im unmittelbaren Bereich der Nerven, welche die Mundgliedmaßen versorgen. Von hier aus rufe ich ein "altes" Verhalten der Ameise wieder auf, das bei ameisenverwandten Hautflüglerinsekten heute noch üblich ist, bei Ameisen jedoch wohl durch das Kolonieleben überdeckt ist. Interessant ist nun die Frage: Hält die im Freien übernachtende Ameise mich bzw. das im Freien Übernachten für eine tolle Idee oder für eine Rückbesinnung auf gulte alte Zeiten?

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